Guten Tag,

eigentlich halte ich von Lobhudelei nicht viel, aber bei Herrn Helnwein würde ich gerne eine Ausnahme machen. Da ich nicht davon ausgehe, dass er diese Email je zu Gesicht bekommt, möchte ich diese auch an jene richten, die in seinem Kreise arbeiten beziehungsweise agieren dürfen.

Früh entdeckte ich meine Liebe für die modernen Künste, als ich mit einem Kunstkurs an die Côte d' Azur fahren durfte. Hier kam ich erstmals in Berührung mit Werken von Künstlern wie Picasso, Matisse und Klein. All ihre Werke übten eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. Es waren nicht nur die dargestellten Farben und Formen, die mich faszinierten, sondern die Gefühle, die sie in mir weckten. Mit ihren Biografien im Hinterkopf wagte ich mich, junger Knirps, an die Bilder heran. Sie inspirierten mich, das Zeichnen anzufangen.

Meine Mutter und mein Vater schwärmten bereits die ganze Zeit von einem gewissen Herrn Helnwein. Helnwein, das wurde bei uns an der Universität nicht behandelt. Weshalb? Ich weiß es nicht. Obwohl ich anfangs mit diesem Namen nicht viel anfangen konnte, begegnete er mir schon vier Mal. Es waren die Alben der Scorpions, von Westernhagen, Rammstein und Manson. Sie lösten in mir eine gewisse Verwirrung aus, und insbesondere das Cover von Manson und Rammstein machten mich auf die Musiker erst richtig aufmerksam. Daraufhin besuchte ich ein Konzert von Marilyn Manson in Portland, Maine. Das Image, die komplette Show, rückte ein Teil von Helnweins Kunst direkt vor meiner Nase. Gezeigt wurde ein Bild, ein Gefühl, das schon seit Jahren auf mich und meine Familie eine Faszination ausübt. Die Grenze zwischen dem Bösen und dem Guten. Dies mag sich zwar am Anfang etwas eigenartig anhören, aber da unsere Familie eine Vergangenheit mit selbst zerstörerischen, psychologischen Lebensweisen hat, ist genau dieses Mythische, diese Darstellungen von für uns ungewöhnlichen Bildern so anziehend. Dies mag wahrscheinlich auch der Grund sein, warum ich mich während meiner Studienzeit auf selbst zerstörerische Künstler wie Hemingway und Virginia Wolfe spezialisierte.

Meine Eltern brachten mich dann schließlich auf dem Namen Helnwein. Die ganze Zeit war ich von seinen Werken bewegt und erst nachdem ich ihn „googelte“, wusste ich, wer er war und welche Kunstwerke er in diese Welt setzte. Vor diesem Zeitpunkt hätte ich mir es nie erträumen lassen, dass mich heute noch etwas nach Beus aufrühren könnte. Alles, was danach an persönliche „Schocker“ kommen sollte, war für mich einfach übertrieben und realitätsfremd. Irgendwie stagnierten für mich die Künste im malerischen Bereich. Doch da kam Helnwein und zeigte mir eine Welt, die mich sehr stark berührte. Die Abgründe der Menschheit, die schrecklichen Fähigkeiten der Menschen, dargestellt oft in solch einer Harmonie und Ruhe, dass mich erschrak, was nach längerem Betrachten hervorkam. Das für das Auge ungewöhnliche Bild der schlafenden Kinder weckt auch ein gewisses Unbehagen. Dieses Unbehagen gleicht jedoch einer Faszination.

Es ist schwierig, die passenden Worte für seine Werke zu finden, und ich möchte diese hier auch nicht tot analysieren. Ich möchte lediglich seinem Team sagen, welch besondere Kunst durch seine Hand entsteht. Seine Werke sind in meinen Augen ein positiver Fortschritt der Darstellung für die Grausamkeit menschlichen Handelns. Möge Helnwein immer die Zeit und Muse besitzen, solch außergewöhnliche Kunstwerke zu schaffen, um der neueren Generation, der es oft an Bodenständigkeit fehlt, auf Tatsachen hinzuweisen.

Leider ist die Kunst für mich in gewissem Sinne unerreichbar. Als Student hat man kein Glück, durch Galerien mit einem seiner Werke zu wandeln, Geschweige denn eines zu erwerben. Vielleicht würde sich eine Gelegenheit ergeben, eines seiner kleinen Werke für einen studentischen Obolus zu erwerben. Natürlich mache ich mir da keine großen Hoffnungen, aber vielleicht gibt es doch eine Lösung, mich seinen Kunstwerken näher zu bringen. Ich werde jedenfalls versuchen, seine Ausstellung in Linz im März zu besuchen. In der Hoffnung, einmal direkt vor einem seiner Werke stehen zu dürfen und diese richtig auf mich wirken zu lassen, verbleibe ich,

Hochachtungsvoll,

Ihr T. S

 

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