Das zentrale Thema der Bilder Helnweins ist das Kind
Ludwig Galerie, Schloss Oberhausen


Presseinformation

Gottfried Helnwein - Beautiful Children

?Wichtig an meinen Arbeiten ist, glaube ich, immer auch die Verschiedenheit der Aspekte: Die realistischen Bilder, die abstrakten Serien, die Pastelle, die Farbstift-Zeichnungen und die Fotografien - wenn man all die Sachen, die ich gemacht habe, bis zu den monochromen Bildern hin verfolgt und vergleicht, merkt man, dass am Ende überall, trotz anderem Stil, anderem Medium oder Material, eine Verbindung vorhanden, dass dieselbe Aussage da ist. Ich wollte das Gefängnis eines bestimmten Stils oder einer bestimmten Technik überwinden.?

Gottfried Helnwein, 1992

Das zentrale Thema der Bilder Helnweins ist das Kind - nicht als unschuldiges und liebenswertes, sondern als verletztes, entblößtes, gedemütigtes und misshandeltes Wesen. Die Leidensfähigkeit des Menschen, das wohl erschütterndste Motiv in der Geschichte der Kunst, führen uns die Bilder Helnweins am Schicksal des Kindes schonungslos vor Augen. Das Schockierende seiner Darstellungsweise ist, dass er uns die lieb gewordenen Klischees von der glücklichen Kindheit zerstört und uns Betrachter zu Mitwissern, Augenzeugen und Mittätern des zum Himmel schreienden Unrechts macht. ?Ich sehe die Welt am liebsten durch die Augen des Kindes. Jedes Erziehungssystem zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften hatte immer nur ein Ziel: Menschen gefügig zu machen, sie zu brechen?. Gottfried Helnwein

Dabei kann sich der Betrachter der Faszination der Bilder Helnweins kaum entziehen, denn in ihnen verschmelzen die minutiöse Detailgenauigkeit der Fotografie mit dem inneren Leuchten altmeisterlicher Malerei zu einer geradezu magischen Oberflächenwirkung. Dieses innere Leuchten durchdringt die Figuren und Gegenstände seiner Bilder, scheint sie - wie wir es von Andachtsbildern kennen - zu erheben und zu transzendieren. Was wir jedoch dann auf den Bildern sehen, ist kein ergötzliches Heilsgeschehen, sondern sind apokalyptische Szenen.

Nur wenige Künstler haben das Spannungsfeld zwischen Malerei und Fotografie so tief erkundet wie Helnwein. Auf den ersten Blick lassen uns seine Bilder im Unklaren darüber, ob es sich um Malerei oder Fotografie handelt. Was wie fotografierte Wirklichkeit erscheint, erweist sich bei genauem Hinsehen als gemalt. Seine Bilder über das Kind, aber auch über die Katastrophen der Geschichte und unserer Zeit erscheinen uns deshalb ? wie seine Portaits bedeutender Persönlichkeiten von Arno Breker bis Andy Warhol, Che Guevara und Marilyn Manson - irritierend vieldeutig: Schein und Sein, Maske und Gesicht, Bild und Wirklichkeit verschwimmen bis zur Unkenntlichkeit. In Helnweins Werken durchdringen sich die Themen und Bildsprachen der Hoch- und Trivialkunst. Stets geht es ihm um die Überschreitung der Grenzen zwischen den Medien. Früh schon hat er die gestalterischen Energien des Rock'n' Roll, der Fotografie und des Comic als elementare Kunstformen des 20. Jahrhunderts in sich aufgenommen, ihren provokativen Gestus und ihre stets mitreißende Gewalt. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Wilhelm-Busch-Museum, Hannover.
Bernhard Mensch, Direktor und Peter Pachnicke, Kurator

?Die Sprache ist sehr verräterisch: Es heißt der Mann, die Frau, aber das Kind - das Kind ist sächlich, also eine Sache, ein Gegenstand - etwas, das man besitzt und wegwerfen kann, wenn man dessen überdrüssig ist. Nur Geisteskranken und Kindern sind die Menschenrechte entzogen - die bürgerlichen Rechte. Und es war mir eigentlich immer ein Anliegen, dass man Kinder wie richtige Menschen respektiert, wie Individuen, von der Geburt an, und sie mit allen Rechten ausstattet.?

Gottfried Helnwein

?Wie hält ein freundlicher Mensch wie Helnwein es aus, seine - exzellente - Malerei zum Spiegel der Schrecken des Jahrhunderts zu machen? Oder hält er es einfach nicht aus, das nicht zu tun? Reflektiert sein Spiegel nur die Jahrhunderthaltung, LIEBER EIN SCHRECKEN OHNE ENDE ALS EIN ENDE MIT SCHRECKEN, die aus der Überbewertung des Todes kommt, Folge seiner Tabuierung durch Statistik. Perseus, der die Gorgo im Spiegel guillotiniert, und wenn der Kopf fällt, ist es der eigene. Wie viele Köpfe hat ein Mensch / Mann in unserem Zeitalter der Spiegel??

Heiner Müller

Die Leute müssen sich irgendwie betroffen fühlen und ich muss auch den Finger immer wieder auf den richtigen Punkt gelegt haben, sonst wären so viele Emotionen, Aggressionen und die Aufregung gar nicht möglich. Das Bild selbst kann es nicht gewesen sein, weil es ja eine Fiktion ist - zweidimensional, nur ein paar Milligramm Farbe auf Papier -, das ist alles, das tut nicht weh. Das heißt, das gemalte Bild kann wirklich nicht der Grund dafür sein, dass jemand in Panik gerät. Es ist nicht mein Bild, vor dem sich die Leute fürchten, sondern es sind ihre eigenen Bilder in ihren Köpfen. Meine Arbeiten sprechen offensichtlich etwas an, das im Unterbewusstsein des Betrachters schon vorhanden ist. - Wenn es mir gelingt, den Finger manchmal an die richtige Stelle zu legen, dann habe ich das Gefühl, meine Arbeit hat einen Sinn.
Gottfried Helnwein

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Gottfried Helnwein - Beautiful Children

?Wichtig an meinen Arbeiten ist, glaube ich, immer auch die Verschiedenheit der Aspekte: Die realistischen Bilder, die abstrakten Serien, die Pastelle, die Farbstift-Zeichnungen und die Fotografien - wenn man all die Sachen, die ich gemacht habe, bis zu den monochromen Bildern hin verfolgt und vergleicht, merkt man, dass am Ende überall, trotz anderem Stil, anderem Medium oder Material, eine Verbindung vorhanden, dass dieselbe Aussage da ist. Ich wollte das Gefängnis eines bestimmten Stils oder einer bestimmten Technik überwinden.?

Gottfried Helnwein, 1992

Das zentrale Thema der Bilder Helnweins ist das Kind - nicht als unschuldiges und liebenswertes, sondern als verletztes, entblößtes, gedemütigtes und misshandeltes Wesen. Die Leidensfähigkeit des Menschen, das wohl erschütterndste Motiv in der Geschichte der Kunst, führen uns die Bilder Helnweins am Schicksal des Kindes schonungslos vor Augen. Das Schockierende seiner Darstellungsweise ist, dass er uns die lieb gewordenen Klischees von der glücklichen Kindheit zerstört und uns Betrachter zu Mitwissern, Augenzeugen und Mittätern des zum Himmel schreienden Unrechts macht. ?Ich sehe die Welt am liebsten durch die Augen des Kindes. Jedes Erziehungssystem zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften hatte immer nur ein Ziel: Menschen gefügig zu machen, sie zu brechen?. Gottfried Helnwein

Dabei kann sich der Betrachter der Faszination der Bilder Helnweins kaum entziehen, denn in ihnen verschmelzen die minutiöse Detailgenauigkeit der Fotografie mit dem inneren Leuchten altmeisterlicher Malerei zu einer geradezu magischen Oberflächenwirkung. Dieses innere Leuchten durchdringt die Figuren und Gegenstände seiner Bilder, scheint sie - wie wir es von Andachtsbildern kennen - zu erheben und zu transzendieren. Was wir jedoch dann auf den Bildern sehen, ist kein ergötzliches Heilsgeschehen, sondern sind apokalyptische Szenen.

Nur wenige Künstler haben das Spannungsfeld zwischen Malerei und Fotografie so tief erkundet wie Helnwein. Auf den ersten Blick lassen uns seine Bilder im Unklaren darüber, ob es sich um Malerei oder Fotografie handelt. Was wie fotografierte Wirklichkeit erscheint, erweist sich bei genauem Hinsehen als gemalt. Seine Bilder über das Kind, aber auch über die Katastrophen der Geschichte und unserer Zeit erscheinen uns deshalb ? wie seine Portaits bedeutender Persönlichkeiten von Arno Breker bis Andy Warhol, Che Guevara und Marilyn Manson - irritierend vieldeutig: Schein und Sein, Maske und Gesicht, Bild und Wirklichkeit verschwimmen bis zur Unkenntlichkeit. In Helnweins Werken durchdringen sich die Themen und Bildsprachen der Hoch- und Trivialkunst. Stets geht es ihm um die Überschreitung der Grenzen zwischen den Medien. Früh schon hat er die gestalterischen Energien des Rock'n' Roll, der Fotografie und des Comic als elementare Kunstformen des 20. Jahrhunderts in sich aufgenommen, ihren provokativen Gestus und ihre stets mitreißende Gewalt. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Wilhelm-Busch-Museum, Hannover.
Bernhard Mensch, Direktor und Peter Pachnicke, Kurator

Die Sprache ist sehr verräterisch: Es heißt der Mann, die Frau, aber das Kind - das Kind ist sächlich, also eine Sache, ein Gegenstand - etwas, das man besitzt und wegwerfen kann, wenn man dessen überdrüssig ist. Nur Geisteskranken und Kindern sind die Menschenrechte entzogen - die bürgerlichen Rechte. Und es war mir eigentlich immer ein Anliegen, dass man Kinder wie richtige Menschen respektiert, wie Individuen, von der Geburt an, und sie mit allen Rechten ausstattet.?

Gottfried Helnwein

?Wie hält ein freundlicher Mensch wie Helnwein es aus, seine - exzellente - Malerei zum Spiegel der Schrecken des Jahrhunderts zu machen? Oder hält er es einfach nicht aus, das nicht zu tun? Reflektiert sein Spiegel nur die Jahrhunderthaltung, LIEBER EIN SCHRECKEN OHNE ENDE ALS EIN ENDE MIT SCHRECKEN, die aus der Überbewertung des Todes kommt, Folge seiner Tabuierung durch Statistik. Perseus, der die Gorgo im Spiegel guillotiniert, und wenn der Kopf fällt, ist es der eigene. Wie viele Köpfe hat ein Mensch / Mann in unserem Zeitalter der Spiegel??

Heiner Müller

Die Leute müssen sich irgendwie betroffen fühlen und ich muss auch den Finger immer wieder auf den richtigen Punkt gelegt haben, sonst wären so viele Emotionen, Aggressionen und die Aufregung gar nicht möglich. Das Bild selbst kann es nicht gewesen sein, weil es ja eine Fiktion ist - zweidimensional, nur ein paar Milligramm Farbe auf Papier -, das ist alles, das tut nicht weh. Das heißt, das gemalte Bild kann wirklich nicht der Grund dafür sein, dass jemand in Panik gerät. Es ist nicht mein Bild, vor dem sich die Leute fürchten, sondern es sind ihre eigenen Bilder in ihren Köpfen. Meine Arbeiten sprechen offensichtlich etwas an, das im Unterbewusstsein des Betrachters schon vorhanden ist. - Wenn es mir gelingt, den Finger manchmal an die richtige Stelle zu legen, dann habe ich das Gefühl, meine Arbeit hat einen Sinn.

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